Inside Südafrika – Julia erzählt von Ihren Leben in der Western Cape Region und verrät ihre „Hidden Gems“.

Leben in Südafrika

Julia kommt ursprünglich vom Bodensee, heißt mittlerweile Barton-Hill und lebt mit ihrer süßen Familie (bald zu viert) in der Western Cape Region Südafrikas. Erst kürzlich hat sie Kapstadt den Rücken zugewandt und ist an die Garden Route gezogen, um mehr Freiheit und Natur genießen zu können.

Julia ist mir als Trauzeugin zur Seite gestanden, als ich 2011 in Kapstadt geheiratet habe. Sie war einer der ersten Menschen, die ich kennen- und schätzen gelernt habe, als wir 2003 nach Kapstadt gingen.

Julia ist ein Outdoor-Freak,  sportlich sehr aktiv und unternehmungslustig. Sie ist ständig in der Natur und kennt die Region wie ihre Westentasche. Es vergeht kaum Wochenende, wo sie nicht mit Kind, Hund und Kegel den 4×4 Camper packen und die Gegend unsicher machen. Dabei kann es ihnen nicht einsam genug sein. Manchmal sind sie jedoch einem leckeren Wein in urbaner Umgebung nicht abgeneigt und wissen auch diesen Lifestyle zu genießen.

Danke für das Interview, liebe Julia!

Wie und wann hat es dich nach Südafrika verschlagen?

Zum ersten Mal bin ich 4 Monate allein mit dem Rucksack durch das Land gereist. Das war 1999/2000, vor meinem Magisterjahr. Damals habe ich mich in das Land, die Kultur und vor allem Kapstadt verliebt und mich entschlossen nach meinem Studium zurückzukehren.

War es schwer für Dich in Kapstadt/Südafrika Fuß zu fassen?

Ich war sehr hartnäckig. Ich bin mit meinem Lebenslauf und Bewerbungsschreiben (ich habe Film und Medien studiert und wusste, dass es viele europäische Filmproduktionsfirmen gibt) einfach ohne Termin zu allen Firmen in Kapstadt gegangen. Pro Tag habe ich mindestens 3 Firmen besucht. Nach zwei Wochen hatte ich ein Jobangebot von einer deutschen Produktionsfirma, die Fotoproduktionen organisiert.  Sie haben nach einem Probevertrag geholfen, ein Jahresvisum zu bekommen. Über meinen Mann habe ich dann nach 3 Jahren „permanent residence“ beantragt.

Wie sieht Dein Alltag in Südafrika aus?

Wir sind vor 3 Monate aus Kapstadt weg an die Garden Route gezogen– eine viel ländlichere Region, bekannt für Tourismus und Nationalparks. In Kapstadt war ich zuletzt in einem stressigen Job als nationale Marketingmanagerin und bin täglich zwei Stunden im Stau gestanden. Seit dem Umzug arbeite ich Teilzeit von zuhause aus, mit Blick aufs Meer (inklusive Wale und Delphine) und verbringe viel mehr Zeit mit meinem kleinen Sohn. Abends gehen wir am Strand spazieren. Es ist unglaublich schön hier zu wandern oder zu biken.

Was ist der größte Unterschied zu Deinem Leben in Deutschland?

Die vielfältige Kultur, die verschiedenen Sprachen und die Weite. Wenn ich zurück in Deutschland bin, fühle ich mich etwas „eingeengt“ und ich vermisse die Vielfalt. Leider ist die Kriminalität hier nicht zu unterschätzen und ich vermisse es manchmal, einfach nur abends alleine spazieren gehen zu können.

Aber ich würde um nichts in der Welt die Natur hier und die Freizeitmöglichkeiten aufgeben. Auch die Nationalparks und die Weite der Landschaft sind etwas ganz besonderes.

Ich habe ca. 40 Länder bereist und für mich ist Südafrika nach wie vor das schönste Land, welches ich je gesehen habe.

Was verwundert,  oder fasziniert Dich an den Südafrikanern am meisten?

Oft erwartet man als Deutsche dass etwas so gemeint ist, wie es gesagt wird. Aber manchmal sagen die Einheimischen Floskeln wie  „lass uns am Wochenende mal treffen“ oder „wir melden uns bald bei Dir“, meinen es allerdings nicht so.

Insgesamt fasziniert mich aber, wie positiv alle sind und sich die Menschen –obwohl sie zum Teil schlechter dran sind- nicht wie in Deutschland so oft über Kleinigkeiten beschweren. Bei uns gibt es keine Sozialhilfe oder Rente von der man leben kann, wenn man darauf angewiesen ist. Daher sind die Leute hier abgehärteter und irgendwie selbständiger.

Gibt es Eigenarten der Südafrikanern oder etwas an dem Land was du nicht magst bzw. dich stört?

Viele Firmen (ausser den meisten Konzernen) bezahlen noch immer keine Rentenbeiträge oder Mutterschaftsurlaub. Als ich meinen Sohn bekam, musste ich die Zeit komplett selbst finanzieren. Mein Arbeitgeber hat leider nichts bezahlt. Auch Krankenversicherungen sind hier sehr teuer, denn viele können sich keine Krankenversicherung leisten. Wenn man aber auf ein gesetzliches Krankenhaus angewiesen ist, muss man oft einen halben Tag oder Tag in einer Schlange stehen…Andererseits sind die privaten Krankenhäuser von sehr, sehr hohem Standard.

Mir fehlt auch manchmal wirklich die deutsche Effizienz…vor allem im Business. Wenn man sich auf etwas einigt und der Businesspartner mehrmals  daran erinnert werden muss, Dokumente zu schicken,  dann ist das ärgerlich. Dann fehlt mir Deutschland:- )

 Verrate uns doch bitte Deine absoluten „Hidden Gems“ und Geheimtipps in Kapstadt/Südafrika.

  • Im Sommer im wilden Bergsee im „Silvermine Nature Reserve“ schwimmen; ca. 30 min. von Kapstadt entfernt in den in südlichen Vororten
  •  Wanderung für Fitte (man braucht 2 Autos): Eingang von Cape Point Nature Reserve am Cliff entlang bis zur Kapspitze (ca. 6h) – spektakuläre Aussichten
  •  Es gibt viele super Restaurants in Kapstadt und Umgebung. Doch eins meiner Favoriten ist auf dem Weingut „Dieu Donne“ in Franschhoek mit tollem Blick ins Tal und riesiger Fensterfront hoch in die Winelands. Unbedingt für ein Dinner buchen – nicht für ein Lunch.
  • Für Wochenenden auf dem Land gibt es eine ganz tolle Website, alles mit erschwinglichen und süßen „Cottages“ auf dem Land: www.budget-getaways.co.za
  • Für Drinks am Meer gibt es auch endlose Optionen aber mein Favorit ist „Paulana“ (sehr entspannt) und „Harbour House“ (etwas schicker, auch toll für ein Seafood Dinner) am Hafen in Kalk Bay.

 Welchen Ratschlag möchtest Du Südafrika Reisenden mit auf den Weg geben?

Die deutschen Touristen erkennt man immer sofort an den „Guide books“ und Landkarten. Lasst Euch einfach auch spontan auf das Land ein und plant nicht zuviel! Südafrika bietet noch mehr, wenn man die Augen offen hält und jeder findet für sich das Richtige (Sport, Safari, top Restaurants, schicke und individuelle Hotels, Lifestyle…)

Bilder: © Privateigentum

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