Meine skurrilsten Übernachtungen auf Reisen – Teil I

Skurile Nächte auf Reisen

Ich habe auf Reisen schon in unzähligen fremden Betten mehr oder weniger gut geschlafen – in Hotels jeden Niveaus, Pensionen, Guesthouses, B&Bs, Backpackern. Nicht immer war es ein Bett, manchmal auch eine Hängematte, ein Überlandbus, der Strand oder sogar ein Bahnsteig. Die meisten Zimmer hat man vergessen, sobald man die Tür hinter sich geschlossen hat. Einige Herbergen jedoch werden auf ewig in Erinnerung bleiben– es sei dahingestellt, ob das nun besonders gute oder schlechte Erinnerungen sind, eine Geschichte sind sie allemal wert. Wer weiß, vielleicht werde ich auch noch meinen Enkeln davon erzählen.

  • Gefängnishotel Lloyd Amsterdam

Ein Hotel irgendwo im nirgendwo in Amsterdam – aber so angesagt war das Lloyd Hotel damals vor ca. 8 Jahren. Genau richtig also für uns jungen, ach so hippen Brandmanager aus ganz Europa. Für unsere regelmäßigen internationalen Meetings, gerne auch mal mit den noch cooleren Agenturleuten,  musste es natürlich immer das allerneuste, derzeit szenigste sein oder besser sogar, erst noch dazu gemacht werden.

So ein Ding war das Lloyd damals. Ein ehemaliges Gefängnis im langsam aufstrebenden, aber noch wenig urbanen Hafenviertel vom Amsterdam.

Ausreichend Zimmer wurden gebucht und willkürlich verteilt. Die A-Karte habe ich gezogen. Ich bin in einem ehemaligen Waschraum gelandet. Weiß gekachelt bis zur Decke, eine tropfende Duschbrause (kaltes Wasser, versteht sich) mitten im Raum und sonst nichts weiter als ein altes weißes Metallbettgestell (der fairnesshalber sei erwähnt, mit frischer, neuer Hotelbettwäsche) und eine Art Krankenhaus-Nachttisch. Zum Glück haben wir viel gefeiert (das macht man nach den wichtigen Agentur-Meetings)und die Nacht war kurz, denn wohl habe ich mich in dieser Nasszelle nicht gefühlt. Die Kinnlade ist mir dann am nächsten Morgen in den Keller gerutscht. Unser Meeting fand in einer Suite des Hotels auf 2 Ebenen statt. Edelhölzer, Kristallleuchter, Piano im Raum und jeden erdenklichen Service.

“You never know, what you‘ll get” war das Motto im Lloyd!

Ich habe mir eben Bilder auf der Website des Hotels angesehen und das Zimmer von damals nicht wiedererkannt. Es gibt immer noch alle Kategorien von 1-5 Sterne, mir scheint jedoch dass das Konzept etwas abgeschwächt wurde.

  • Ein 5***** Luxus Hotel Rom

Genau das Gegenteil zu meiner Lloyd Erfahrung war das Rome Cavaliere Waldorf Astoria Hotel in Rom. Ein ehrwürdiges, klassisches 5*Luxushotel.

Dieses Mal musste keiner von uns in die Besenkammer. Jeder hatte ein Reich mit Damast-Bettwäsche, einen UNGLAUBLICHEN Ausblick auf Rom und jede erdenkliche Annehmlichkeit. Obendrein gab es ein Frühstücksbuffet, das man so noch nicht gesehen hat. Spezialitäten und Leckereien aus aller Welt. Wirklich keine Nationalität musste auf ihre Geschmacksvorlieben verzichten. Sei es nun russischer Kaviar, Idli, Baklava, Nori oder Miso Suppe.

Keine Geschichte zum Schmunzeln, doch dieser überschwängliche Luxus war neu für mich. Mittlerweile habe ich in mehreren Luxushotels genächtigt, doch niemals mehr ist mir dieser Standard begegnet und mir daher ganz besonders in Erinnerung geblieben

  • Eine Nacht unter Löwen

Mit meinem mittlerweile Ehemann bin ich in einem 4×4 Toyota Hilux Pick-Up durch Afrika gereist. Diese Reise hat unsere Beziehung hart auf die Probe gestellt. Haben wir doch ein halbes Jahr 24 Stunden zusammen auf einer 2qm Ladefläche, unserem Wohn- und Schlafzimmer oder im Cockpit verbracht.

Eine Nacht im Botswana Moremi Reservoir hat obendrein unsere Geduld und die maximale Auslastungsgrenze unserer Blase auf die Probe gestellt.

Zäune gibt es dort in Botswanas Nationalparks nicht. Camps sind nur durch einen Pfosten im Boden und ein Toilettenhäuschen als solche erkennbar. Wir residieren in der Nähe eines Hippo-Pool, deren Geräusche, Grasen und Wanderungen uns nachts gelegentlich aus dem Schlaf schrecken lassen. Nicht schlecht gestaunt haben wir dann jedoch am nächsten Morgen, als ein Rudel Löwen unser Camp für sich entdeckt hat. Die Blase war voll und das Toilettenhäuschen nur einen Sprung entfernt. Doch gewagt haben wir es nicht, uns der Besatzungsmacht entgegenzustellen. Die Löwen haben keine Anstalten gemacht, ihre Position aufzugeben. Uns blieb daher nur die Flucht nach vorne. Wagemutig ums Auto herum ins Fahrerhaus klettern, Motor an, Gang rein und ein sicheres Plätzchen für die Morgentoilette suchen.

PS: Unser Eigentum, das wir auf der Flucht zurücklassen mussten, haben wir später wieder abgeholt. Damals als relativ unerfahrener „Game-Driver“ wusste ich noch nicht, dass es für solche Fälle ein unglaublich praktisches Produkt namens „Urinella“ (so hieß das afrikanische Modell gefüllt mit flüssigkeitsaufsaugendem Granulat) gibt. Solltet ihr also jemals in meiner Lage stecken, wisst ihr es jetzt. Hoffentlich habt ihr es dann auch dabei!

  • Ein Beachouse mit Überschwemmung in Costa Rica

Costa Rica 1993 – meine zweite große Rucksackreise außerhalb Europas und noch immer ist mir diese Reise, insbesondere diese eine Nacht ganz besonders im  Gedächtnis geblieben.

Wir waren zu viert. Wir waren blutjung, unerfahren, unvoreingenommen, planlos und wollten „off the beaten tracks“ reisen. Costa Rica sollte es sein. Wir wussten es nicht besser,  oder es war uns egal. Wir bereisten das Land in der Regenzeit. Und was soll ich sagen, Regen gab es reichlich. Im Norden waren Landstriche aufgrund eines Erdrutsches unpassierbar. In Tortuguero wurden wir wegen eines Hurrikans evakuiert. Wir versuchten unser Glück an der Küste und landeten in Jaco. Der Plan ging kurzzeitig auch auf. Wir hatten uns am schönen Surfer-Strand ein einfaches Beach House gemietet. Dann holte uns der Regen ein, und das Wasser stieg bis in unser Schlafgemach. Es kam von oben und von untern. Letztendlich war die Bettkante erreicht. Die Vermieterin meinte, das sei alles nicht so schlimm: „Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus.“ Das wollten wir gerne glauben. Haben unser Hab und Gut auf Stühlen verteilt und diese auf den Tisch gestellt. Sind durchs Wasser ins Schlafzimmer gewatet und haben uns auch von den Ratten, die die Dachbalken entlangliefen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Mit 20 sieht man das Leben einfach entspannter (oder naiver?)!

  • Eine verlustreiche Nacht am Bahnhof von Kuala Lumpur

Ein Trip durch Süd-Ost Asien mit einem Backpacker-Freund. Wieder sind wir jung und immer noch sorglos und unerfahren. Ich weiß nicht mehr genau, wo es hingehen sollte. Jedenfalls waren wir in Kuala Lumpur gestrandet und es ging bis zum kommenden Morgen nicht weiter. Unterkunft hatten wir keine, wenig Geld in der Tasche und hungrig waren wir wie die Löwen. Die Rucksäcke wurden geschwind in Schließfächern deponiert und der nächste Fast Food Laden aufgesucht. Als wir zurückkamen, war der Bahnhof geschlossen und das Gepäck natürlich noch drin. Also was tun? Irgendwo ab über die Mauer, rein in den Bahnhof. Dieser wurde gerade frisch gebohnert und auf Hochglanz gebracht. Kuala Lumpur ist eine saubere Stadt!

In unserer Lage erschien uns ein Eckchen im Bahnhof wohl als der ideale Schlafplatz. Zähne im Waschraum geputzt, Schlafsack unter den Augen des verwunderten Bahnhofspersonal ausgerollt, den Kopf auf den Rucksack gebettet und hallo, süße Träume. Wir haben wieder einmal erstaunlich gut geschlafen. Allerdings mussten wir die Weiterreise am kommenden Morgen ohne Schuhe und Schlafsack antreten.

Habt Ihr ähnliche Erlebnisse? Ich würde mich über Eure Geschichten sehr freuen!

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