Segeltörn Griechenland: Willkommen im Sail Club der Greenhörner!

Segeltörn Griechenland Saronischer Golf

Segeltörn Griechenland Saronischer Golf

Während der Meltemi in den Monaten April bis Oktober mit bis zu 6 Windstärken unbarmherzig über die griechischen Inseln der Kykladen und des Dodekanes bläst, stechen wir Novizen von Athen aus im anfängerfreundlichen Saronischen Golf in See. Herrschaften, Willkommen im Sail Club der Greenhörner!

Die Regeln bestimmen, wer in den Sail Club rein darf und wie man sich zu verhalten hat, wenn man drinnen ist.
Im Sail Club gilt das Wort Tyler Durdens aka Brad Pitt, äh, nee, Entschuldigung, falscher Film. Es gilt das Wort von Petros aka Skipper und die folgenden Grundregeln:

Regel Nr. 1: Wenn jemand über Board geht, schlappmacht oder absäuft, ist der Törn vorbei.

Regel Nr. 2: Wenn Regel Nummer eins nicht eintritt, muss man da durch.

Regel Nr. 3: Es segelt und bestimmt nur einer: Skipper Petros

Regel Nr. 4: Nur eine Etappe (Schlag) auf einmal.

Regel Nr. 5: Ein Schlag dauert genau solange, wie er dauern muss.

Regel Nr. 6: Ausreichend Sonnencreme, keine langen Hosen, keine Schuhe.

Und letzte Regel Nr. 7: Wer neu ist im Sail Club, muss maximal entspannen.

Soweit so klar. Es stellt sich nur eine Frage: Wie kommt es dazu, dass ich Teil des illustren Clubs geworden bin? An meiner wenig ruhmreichen Segelvergangenheit als Null-Bock-Teenager auf dem berüchtigten Bayerischen Meer, dem Chiemsee, kann es nicht liegen. Tief im Gedächtnis sitzen die hoffnungslosen Seufzer meines Papas, als ich statt des Palstegs zum Festmachen einen ordinären Knoten fabriziere. Oder der Rüffel, nicht immer so verträumt in die Gegend zu gucken, sondern beim Reffen und Trimmen zu helfen.
Immerhin haben mich meine Jugendjahre auf der Bavaria Yacht halbwegs seefest gemacht und den Kompass bereits so justiert, dass meine Liebe zum Segeln erblühen konnte.
 


Törnstart: Alimos Marina Athen

Das aufgepeitschte Meer knallt gegen Hafenmole, weiß schäumende Wasserfontänen spritzen durch die Luft, auf dem überschwemmten Pier spiegelt sich die frühe Morgensonne. Der Himmel ist strahlend blau bis zum Horizont, kann aber selbst mich Greenhorn nicht täuschen. Heute sticht der illustre Sail Club höchstwahrscheinlich nicht mehr in See.
In der Tat stehen wir, ein Grüppchen aus sechs Grünschnäbeln uns erst einmal die Füße in den Bauch, während um uns herum ein geschäftiges Treiben herrscht. Es wird geputzt und gewienert, getankt, entladen und wieder beladen.

Es ist ein Samstag Ende September, An- und Abreisetags der Segelcharterurlauber, die jetzt in der Nebensaison auf einer Segelreise im Saronischen Golf noch einmal sommerliche Gefühle aufkommen lassen wollen.
Ein Segelcharter im Saronischen Golf beginnt in der geschützt liegenden Alimos Marina im Athener Stadtteil Kalamaki. Hier übernehmen wir unsere Yacht, einen Katamaran Namens „Grebe“ von Dream Yacht Charter, welcher uns über Argos Yachtcharter vermittelt wurde.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf

Leider mangelt es der riesigen Marina etwas an Charme, sanitären Anlagen oder Einkaufsmöglichkeiten, dafür kommt man schnell an Bord und kann in der Nähe des Yachthafens problemlos alle Lebensmittel für den anstehenden Törn einkaufen.

Wir haben Proviant vorbestellt, doch um uns nützlich zu machen, ziehen wir nochmals los. Schokolade hat man niemals genug und dem Hahn im Korb verlangt es nach Cola und Zigaretten, die Vegetarierinnen unter uns nach mehr Gemüsealternativen.


Im Anschluss an die Einweisung von Skipper Petros und ein paar Formalitäten könnte der Segeltörn im Prinzip beginnen. Jedoch, ich habe es geahnt, verbringen wir die erste Nacht an Bord im Hafen und brechen erst am nächsten Morgen auf, um das Segelrevier zu entdecken. Der Käpt’n hat gesprochen, darum murren wir nur ganz heimlich.

Regel Nummer drei: Der Skipper hat das Wort

Dass Petros es nur gut mit uns meint, wird schnell klar. Das Ruder lässt er sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus der Hand nehmen. Gut sollen wir es uns gehen lassen und genießen. Machen wir ja, aber mit viel Hartnäckigkeit arbeite ich mich trotzdem zum ersten Anlegemanövermatrosen hoch. Was denkt der Mann denn? Wie soll ich meinem Vater ohne erworbene Segelkenntnisse jemals wieder unter die Augen treten?

Wenn ich schnell genug reagiere, darf ich die Fender einholen und ausbringen und aufgrund meiner Übermotivation sogar die Ankerkette hochfahren. Das Kind muss schließlich beschäftigt werden.
Ein Dinghi zu steuern, um meine Crewmitglieder trockenen Fußes an Land zu bringen, traut Petros mir allerdings auch unter Einsatz all meiner Überzeugungskräfte nicht zu.
Dass jeder Holländer einen Außenbordmotor bedienen kann, Wasser quasi unser Hintergarten und Bootfahren unsere liebste Freizeitbeschäftigung ist, will er als Argument partout nicht gelten lassen. Ich füge mich schmollend meiner erkämpften Rolle als Anlegehelfer, denn ich weiß: Im Sail Club gilt das Wort des Skipper Petros.
   

Segeltoern Griechenland Saronischer Golf
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Segeltörn Griechenland Saronischer Golf: Ein Einsteiger- und familienfreundliches Segelrevier

Wir wollen Ägina und Poros erkunden und auch die Halbinsel Methana, das postkartenschöne Hydra und Spétses, dazu die Buchten und Orte des Peloponnes. Der Törn ist einer der Klassiker im Land der Götter, die pittoresken Häfen in der Hauptsaison nicht selten überfüllt. Was neben der Nähe zu Athen auch daran liegt, dass das Revier als einsteiger- und familientauglich gilt.

Wenn auch der Schaumkronenteppich auf dem Meer verschwunden ist, an Board der Grebe zerrt der Wind beharrlich am Rigg und der verlorene Tag muss eingeholt werden.
Petros entscheidet deshalb, Ägina heute nicht anzusegeln und stattdessen am Nachmittag direkt in Poros einzulaufen.
Immerhin gönnt er uns einen Badezwischenstopp im kristallklaren Wasser vor der Insel Moni – eine kleine, nur von Pfauen, Hasen und wilden Hirschen bewohnte Insel und der Geheimtipp nahe der griechischen Insel Ägina.

Insel Poros: Mittendrin statt nur dabei

Weiter geht es in Richtung Poros. Hier anzulegen ist ein Erlebnis. Man segelt durch einen engen Kanal, der die Insel von der peloponnesischen Küste trennt. Im Hafen legt man mit dem Heck zur langen Promenade an und ist sofort mittendrin. Es kann schon mal vorkommen, dass man vom Wirt der gegenüberliegenden Taverne direkt mit einem Ouzo empfangen wird. Diese Art der Gastfreundschaft wird uns heut nicht zu Teil, aber wir müssen auch schnellstens auf den Hügel der Stadt, wo der alte Glockenturm und eine riesige, blau-weiß gestreifte Landesflagge thronen, um die majestätische Landschaft in der untergehenden Sonne zu bewundern.

Poros ist bewaldet. Pinien-, Olive und Zitrusbäume bedecken die Hügel und reichen bis zu den Sandstränden. Die weiß gekalkten Häuser des Ortes türmen sich den Berghang hinauf und charmante Cafés, Bars und Souvenirläden reihen sich am Hafen aneinander. Die besten findet man jedoch im Zentrum, in der Nähe des Museums und des Rathauses.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf
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Während wir gemäß Regel Nr.7 genießen und erkunden, kümmert sich Skipper Petros um solch läppische Dinge wie die Hafengebühr. Segelyachten werden hier nämlich genauso behandelt und berechnet wie die einheimischen Fischer.

Das Klischee der billigen Liegeplätze in griechischen Häfen stimmt also. Trotz monströsen Luxuskatamaran zahlen wir nur einen Spottpreis und den griechischen Charme gibt es gratis dazu. Das ist schon etwas Besonderes in Anbetracht anderer Mittelmeerländer mit ihren vielen gesichtslosen Marinas und überhöhten Liegegebühren.

Die Nacht ist kurz, denn die Slowaken neben uns sind in Feierlaune. Ob es der Alkohol oder die frische Meeresbrise war, die sie endlich zum Schlafen bemüßigte, werden wir nicht mehr erfahren. Wir legen auf Drängen von Petros schon frühmorgens Richtung Hydra ab. Unser Käpt’n beweist Voraussicht und versteht sein Fach.


Hydra, ein Inseljuwel

Hydra liegt zwar nur einen kurzen Schlag entfernt, doch für den Nachmittag ist Regen und Starkwind angekündigt. Schwer vorstellbar an diesem wolkenlosen Septembermorgen, doch Petros wird Recht behalten.
Ein weiterer Grund, möglichst frühzeitig in Hydra einzulaufen: Hydra gilt als einer der schönsten Häfen Griechenlands und ist dementsprechend chronisch überlaufen. Ein großer Teil des Hafens gehört den vielen bunten Fischerbooten der Einheimischen. Wer daher nicht zeitig ankommt, „parkt“ in dritter Reihe und muss über die anderen Schiffe an Land klettern. Wenn es ganz dumm läuft, kommt es obendrein zum lustigen Ankerkettenknäuel-Entwirren mit den Schiffsnachbarn.

Wir ergattern trotz aller Anlegeschwierigkeiten (ich bin noch in der Praktikumsphase und es bläst bereits gehörig) den Premiumplatz direkt neben den Wassertaxis und wartenden Packeseln. Hydra ist nämlich eine bewohnte Insel der Ägäis, auf der Autos tabu sind. Noch immer werden von Koffern über Müllsäcke bis zur Kühltruhe alles nur mit Eseln und Mulis transportiert – die Tiere gehören zum Ortsbild wie der Ouzo zu Griechenland.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf

Der schmucke Ort schmiegt sich terrassenförmig rings um den Hafen an den Hang. Die Gassen sind eng und winklig und die Häuser blitzsauber herausgeputzt. Der Charme der Insel zieht neben vielen Tagesgästen noch immer Intellektuelle, Künstler und reiche Unternehmer aus aller Welt an.
Abends dann kehrt beschauliche Ruhe ein und Hydra ist den Seglern, Einheimischen und einer überschaubaren Menge an Urlaubsgästen vorbehalten. In einem der kleinen, erleuchteten Straßencafés genießen sie ihren Aperitif und vorzügliche griechische Küche in einer der zahlreichen Tavernen und Restaurants. Wir werden es ihnen gleich tun, denn weiter geht es heute wieder nicht. Längst sind Wolken aufgezogen und es tröpfelt zart. Genug Zeit für ein Mittagsschläfchen und um im Anschluss die Insel ausgiebig zu erkunden.

Von den Turbulenzen der Nacht bekommen wir Matrosennovizen nichts mit. Eine Festmachleine löst sich und wir werden gegen unseren Bootsnachbarn gedrückt. Zum Glück hat unser Skipper nur einen Ammenschlaf und stets alle Sinne beisammen.
Am Morgen ist von den Wetterkapriolen nichts mehr zu spüren. Ich „Hibbel“ darf noch einen schnellen Insellauf absolvieren und dann legen wir auch schon ab.
Petros stellt die Clubregeln auf den Kopf. Heute hat er gleich drei kleinere Törns auf dem Programm. Wir widersprechen nicht, solange es Zeit für Badestopps gibt und sowieso werden wir angesichts des nicht unerheblichen Seegangs ganz ruhig. Wer wegen Regel Nr. 2 (da muss man durch) Reisetabletten intus hat, schläft irgendwo, einer war gar nicht mehr gesehen und ich beziehe Stellung auf dem Oberdeck mit frischer Brise und starrem Blick zum Horizont.

Ankern bei der Gewürzinsel Spetses

Spetsai auch Spetses geschrieben ist der äußerste Zipfel unserer heutigen Etappe. Zuvor passieren wir den Küstenort Ermioni auf dem Peloponnes und legen einen Badestopp in einer unberührten Bucht der Insel Dokos ein. Den Nachmittagskaffee lassen wir uns direkt im wunderschönen blauen Mittelmeer servieren. Am liebsten würden wir hier den Abend ausklingen lassen, direkt zum Apéro mit Oliven und Rosé übergehen und die Nacht in der geschützten Bucht verbringen.

Petros besteht dagegen darauf, uns Spetses zu zeigen. Er hat nostalgische Jugenderinnerungen an die Insel. Wer wie wir allerdings schon die Postkartenidylle von Poros und Hydra kennenlernen durfte, tut sich schwer, dem Charme von Spetses zu erliegen. Erst der zweite Blick offenbart hübsche Gassen mit wohlhabend wirkenden Kapitänshäusern und elegante Plätze mit Mosaiksteinen.

Segeltörn Griechenland Saronischer Golf Spetses

Spetses hat seinen Namen aus der Zeit, als die Insel von Venedig kontrolliert wurde und „Isola delle spezie“ hieß, was so viel wie Insel der Gewürze bedeutet. Autoverkehr ist auf dem Eiland verboten, Motorräder leider nicht.
Da wir im Außenhafen nicht sicher liegen, müssen wir nicht mehr viel Überzeugungskraft aufbringen unseren Kapitän zu überreden, die Nacht in einer Bucht zu ankern.
Leise gurgeln die Grebe und ihre Mannschaft rechtzeitig zum Sonnenuntergang der gegenüberliegenden Bucht entgegen.

Ahoi Kykladen!

Für den kommenden Tag hält Petros eine Überraschung bereit. Er möchte die günstigen Windverhältnisse ausnützen und zu den äußeren Kykladeninseln übersetzen.
Die Kykladen gelten als hervorragendes Segelrevier mit beständigen Winden, geschichtsträchtigen Highlights und atemberaubender Natur.
Die landestypischen weißen Häuser und Windmühlen, die einen überwältigenden Kontrast zum Blau des Meeres und des Himmels bilden, möchte Petros uns zeigen. Blumenverzierte Gässchen, die zum Bummeln einladen und urige Tavernen.

Na meinetwegen. Ich weiß, er verspricht nicht zu viel, doch mein letzter Besuch ist Jahrzehnte her und beschränkte sich auf die Klassiker Santorini, Mykonos, Paros und Naxos.
Petros´ Plan hat nur einen Haken: Regel Nr. 5, der Törn dauert so lange, wie er dauern muss und das kann sich ziiiehen.

Zum Glück hat das griechische Tourismusbüro alle Register gezogen. Eine Delfinschule surft direkt vor unserem Bug, die Sonne strahlt unaufhörlich und Petros holt die Segel ein, um uns inmitten des Meers ins tiefblaue,unendliche Nichts eintauchen zu lassen.

Unbeschwertes Inselleben auf Serifos

Am späten Nachmittag erreichen wir Serifos mit seiner Beschaulichkeit und der malerischen Chora auf einem Hügel. Der Blick von dort oben ist gigantisch und reicht an so klaren Tagen wie heute bis nach Folegandros. In 45 Minuten gelangen wir strammen Schrittes nach oben und sind kurz nach Sonnenuntergang wieder im Hafen, einer der geselligsten unseres gesamten Törns. Hier werden internationale Seglerfreundschaften geschlossen, gemeinsam getrunken und gesungen und zum Zapfenstreich spielt jemand sogar die Trompete.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf
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Spätestens am nächsten Tag trifft man sich dann am Kolona Strand vom Kythnos wieder. Der Strand ist eigentlich ein schmaler, blendend weißer Sandstreifen, der das Festland von Kythnos mit dem Inselchen Agios Loukas verbindet. Oben auf dem Hügel erwarten uns eine hübsche Kapelle und der perfekte Rundumblick.

Die lustigen Österreicher neben uns öffnen schon die ersten Bierbüchsen. Sie wären sogar bereit, per Stand-up-Paddel-Lieferservice uns mit dem Gerstenkaltgetränk zu versorgen, doch Petros drängt zum Weitersegeln. In der Bucht liegen wir nicht sicher genug für die Nacht. Wir steuern daher Merichasan, ein sicherer und bezaubernd gelegener Hafen mit vielen Bars, Tavernen und kleinen Geschäften. Einzig die immer mal wieder schnell hereinkommenden Fähren lassen den Schwell im Hafenbecken brenzlig werden. Anleget wird daher heute mit maximal ausgefahrener Gangway.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf
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Kythnos, die Blitzinsel

Kythnos hat die Form eines Blitzes. Ansonsten geht es hier gemächlich und traditionell zu. Die Griechen schätzen die Insel vor allem für die heilenden Mineralquellen im Dorf Lоutra.
Acht Kilometer im Inselinneren auf einem Hügelplateau befindet sich die Insеlhauptstаdt, Kithnos Stadt oder Messariа (oder nur Chora) und ist Kykladen-Charme pur: Weiß gekalkte, mit Bougainvillea geschmückte Häuser, kleine Kapellen und schiefergepflasterte Wege.

Beim Flanieren auf den zwei für den Autoverkehr gesperrten parallelen Hauptgassen und ihren Seitengassen entdeckt man kunstvoll arrangierte geometrische Figuren, aber auch Blumen, Fische und Schiffe, die mit Kalkfarbe auf die Wege gemalt sind. Katzen streifen umher und ältere Damen sitzen mit ihrer Handarbeit vor der Tür, immer bereit für einen Plausch.

Eines der beiden Inseltaxis ist gerade kaputt. Deshalb bringt uns das andere aufeinandergestapelt nach oben in die Chora. Verkehrsregeln? Hier doch nicht.

 Segeltörn Griechenland Saronischer Golf
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Und wo wir schon rebellisch drauf sind, muss auch gleich der Käpt’n dran glauben. Die Crew meutert und besteht drauf, die letzte Nacht auf hoher See noch einmal in einer abgeschiedenen Bucht zu verbringen. Was gibt es schließlich Schöneres, als mit dem ersten warmen Sonnenstrahl am Morgen vom Deck zu hechten? Das Bitzeln im Gehirn, wenn man im kalten Wasser eintaucht und dieses Gefühl im noch glatt daliegenden Salzwasser, wenn der Körper ganz leicht wird. Den Geruch des Salzes, das in der Morgensonne auf der Haut trocknet…


Letztendlich ist auch Petros froh, die Regeln des Sail Clubs über Bord geworfen zu haben. Uns erwartet eine magische Vollmondnacht, was der riesige glühende Ball am Horizont frühzeitig prognostiziert. Roter Wein und Smutje Synkes vegane Kochkünste (so findet am Ende jeder an Board seine Rolle) stimmen ihn vollends milde. Uns vor allem wehmütig. Nach den zauberhaften und friedlichen Inselorten, dem klarem Meer und der frischen Luft, den abwechslungsreichen Stunden unter Segeln und den erfrischenden Badestopps in einsamen Ankerbuchten möchte niemand morgen in das lärmende und so häufig unter einer Dunstglocke liegende Athen zurückkehren.  

„Auf dem Segelboot im Meer ist man lebendig„.

Rund 23 Seemeilen haben wir am folgenden Tag noch vor uns. Vorbei an der bergigen Insel Kea hin zum Poseidon Tempel am Kap Sounion, unser letzter ausgiebiger Badestopp, bevor wir am frühen Freitagabend in der Alimos Marina in Athen einlaufen.
Zum letzten Mal die tiefblaue Ägäis und oben auf den zerklüfteten Klippen steht der atemberaubende Tempel mit seinen weißen Säulen glitzernd in der Sonne. Die Ruinen datieren auf das Jahr 440 v. Chr. zurück, als der Tempel auf den Resten eines alten, dem Meeresgott Poseidon gewidmeten Tempel errichtet wurden.

An imposanten Villen vorbei Villen steuern wir die Metropole an. Frachter, Fähren und Marineschiffe kreuzen unseren Kurs und das riesige, unendliche Häusermeer Athens liegt voraus. Im sanften Licht der tief stehenden Sonne sieht es nicht ganz so bedrohlich aus.

Wir sind glücklich, unsere Nasen in den rauen Kykladenwind gesteckt zu haben, doch am liebsten würden wir einfach wieder umkehren und den Törn noch mal von vorne beginnen.
Anders als im Fightclub, muss man sich im Sail Club nämlich nicht prügeln um zu spüren, dass man lebendig ist. Das erledigen Sonne, Wind und Wasser von ganz allein.

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