Reisewarnung Afrika – akute Ansteckungsgefahr mit dem Afrika Virus.

Köcher Baum Afrika

Ich habe ihn mir vor Jahren eingefangen, den Afrika Virus. Man sagt er sei unheilbar. Präparate wie „Asien“ oder „Südamerika“ schaffen zwar Linderung, lassen die Symptome jedoch nicht verschwinden. Wird der Abstand zum Kontinent zu groß und dauert zu lange an, machen sich die Schmerzen – insbesondere am Herzen – wieder bemerkbar.

Afrika ist wirklich ein faszinierender Kontinent. Jeder Reisende, der nicht über eine gewisse Immunität verfügt, die zum sofortigen Rückzug aus dem Kontinent führt, riskiert vom Afrika-Virus infiziert zu werden. Ich habe mich 2003 angesteckt. Bemerkt und diagnostiziert bekommen habe ich es erst, als ich wieder zuhause war. Alles begann mit einem gewissen Sehnsuchtsgefühl, ausgiebigen Schwärmen und andauerndem schwelgen in Erinnerungen. Dann trat der Herzschmerz gepaart mit unruhiger Nervosität auf. Linderung verschaffte nur die Rückkehr.

Namibia

Einmal Afrika, immer Afrika

Seitdem komme nicht mehr los, mehrmals bin ich wieder zurückgekehrt und dem Zauber der afrikanischen Kultur hoffnungslos verfallen, geradezu süchtig nach den Farben, den Gerüchen, der Tierwelt und dem andersartigen Ticken der afrikanischen Uhren und dessen Menschen.

Ich kann daher nur eine dringliche Warnung, an jeden der plant, den Kontinent zu betreten, aussprechen: Der Afrika Virus ist unheilbar und die Gefahren lauern überall! Überlegt Euch gut, ob Ihr Euch dem Risiko aussetzen wollt!

Was aber macht nun genau diese Faszination für den Kontinent aus und worin besteht die größte Infektionsgefahr?

Giraffen-Afrika

Botswana

Nilpferde-Afrika

Landschaft, Flora und Fauna

Ich habe nur einen Bruchteil des Kontinents bisher erleben dürfen. Doch was mich stets in den Bann gezogen hat, ist diese unendliche Weite, wunderschöne und vielfältige Landschaften mit majestätischen Bergen, saisonal reißenden Flüssen, Sumpf-Deltas, weiten Savannen und dichten Buschlandschaften, kargen Wüsten, hohen Dünen, weiten Salzebenen, weitläufigen Seen und nicht zu vergessen endlosen, feinen oder wilden Stränden.

Kaum jemand kann sich diesem Zauber entziehen. Wer sich dieser Magie jedoch unbeeindruckt entziehen konnte, ist spätestens bei der großen Artenvielfalt, Superlative und Exotik der Tierwelt verloren. Wilde und unbekannte Tiere in Hülle und Fülle lauern an jeder Ecke. Große Tiere, kleine Tiere, lustige Tiere, seltene oder gar gefährdete Tiere, gefährliche Tiere, schnelle Tiere, lustige Tiere, aber auch hässliche Tiere, Herdentiere Einzelgänger. Die Liste könnte man nahezu unendlich fortsetzen. Wer sich jedoch im Wasser in Sicherheit währt, der irrt erneut und begibt abermals in Gefahr. Eine faszinierende, kunterbunte Unterwasserwelt wartet in den Gewässern rund um den afrikanischen Kontinent schon auf Unschuldige, die sie infizieren kann.

Afrika-Menschen

Die Menschen

Ein buntes Völkergemisch voller freundlicher, aufgeschlossener und meist fröhlicher Menschen erwartet den Afrika-Entdecker. Aber auch eine gänzlich unbekannte Kultur, die oft zu einem unmittelbaren Kopfschütteln führt und dennoch eine nie da gewesene Faszination und ein Überdenken der eigenen Ansichten bewirkt. Unser gegebenes Denken und Handeln, Werte- und Zeitvorstellungen werden in Afrika unmittelbar auf den Kopf gestellt. In Afrika lebt man nicht nach der Uhr, sondern mit der Zeit. In Afrika lebt man nicht in der Vergangenheit oder im Morgen, sondern nur im Heute. In Afrika sind ausgeprägte Gefühlsregungen Mangelware, doch Priorität hat dennoch immer erst der Mensch. Für ein interessiertes Schwätzchen ist immer Zeit, und alle Arbeit und Absichten sind vorerst vergessen. Gemeinschaft ist das höchste Gut und unser Hang zum Individualismus stößt auf Unverständnis. Nur selten werdet ihr so interessiert und offen aufgenommen, nur selten mit euch so herzlich gelacht und ihr mit Gastfreundschaft bedacht, doch seid gewarnt, genau darin liegt die Hinterlist und Heimtücke des Virus!

Massai-am-Strand
Afrika-Sunset
Explosion der Sinne

Afrika riecht nach exotischen Pflanzen, nach klarer, sauberer Luft, in manchen Regionen stark nach Tier, Holzfeuer, dem Meer und nach fremden Gewürzen. Farben prasseln wie eine Sturmflut auf uns nieder und bietet eine unbeschreibliche Palette der Vielfalt: ein Himmel in intensivem blau, der bei aufziehendem Gewitter bedrohlich schwarz wird, eine strahlend helle gelbe Sonne und eine tiefrote, wenn sie am Abend versinkt, das satte kräftige Grün der Vegetation, leuchtendes Weiß der Salzpfannen, Rote Erde und Sand in Goldgelb und Weiß, Farbschattierungen des Meeres von Türkis bis Dunkelblau, bunte Vögel und Tiere in Tarnfarben und Camouflage-Mustern, ein nachtschwarzer Himmel mit einem Meer an silbrig glitzernden Sternen und natürlich die leuchtende, farbenfrohe Kleidung der Menschen. Afrika bringt die Sinne zum Explodieren. Nirgendwo empfindet man durchdringender als in Afrika und nirgendwo träumt und man intensiver.

Diese Mischung und das Abenteuer ist es wohl, die das Fieber entfacht. Reisen verschafft unter Umständen Linderung, doch erst eine Rückkehr kurzfristige Beschwerdefreiheit.

Reisen in Afrika

Sei Dir aber bewusst, (individuelles) Reisen in Afrika erfordert Geduld, vor allem mit Dir selbst, bedeutet, Dich auf Afrika einzulassen und trotz allem Unverständnis und ständigem Wundern ob der Gegebenheit und Eigenarten von Mensch, Natur und Kultur lehrt uns Afrika, was wichtig im Leben ist. Wie wenig wir wirklich benötigen, das Leben nur zu einem geringen Anteil planbar ist und, dass es sich lohnt, den Moment zu leben.

Afrika, wann darf ich Dich wiedersehen?

 

Gehörst Du auch zu den Infizierten? Wie oder wodurch kam es bei Dir zur Infektion? Was macht für Dich persönlich die Faszination Afrikas aus? Ich freue mich auf Kommentare.

 

Bilder: ©Privateigentum, istockphoto.

Anmerkung: Ich habe noch lange analog auf Diafilm fotografiert, daher sind einige Bilder gescannt, falls Ihr Euch über die Qualität wundert.

Hinweis: Madlen von puriy hat sich Gedanken gemacht, warum viele Weltreisende einen Bogen um Afrika machen und schöne Interviews geführt mit Bloggern, die ebenso vom Fieber gepackt wurden.

17 comments

  • Wunderbarer Artikel! Ja, auch ich bin vom Afrikavirus infiziert und muss endlich mal wieder zurück. In Westafrika war ich noch gar nicht, daher wäre das mal eine Option. Aber so richtig gepackt hat es mich in Uganda (weil so wie man sich Schwarzafrika vorstellt) und Äthiopien (weil es einfach so vielseitig und anders ist und eben immer wieder überrascht). LG, Madlen

    • Eva

      Danke Madlen! Das Kompliment kann ich nur an Dein Blog zurückgeben. Ich muss leider bei Schwarzafrika und dem oberen Osten passen. Aber das wird noch 😉

      • Merci! Nun habe ich mich auch bei Dir mal ein bisschen umgesehen – schöner Blog. Und über die Passage in Deinem ABOUT musste ich schmunzeln: „Und schon während meines Studiums habe ich nur gearbeitet, um mir den nächsten längeren Trip in den Semesterferien finanzieren zu können.“ Das kommt mir bekannt vor 😉 LG, Madlen

  • Oh ja den kann ich nur zustimmen … es gibt ihn den Afrikavirus und wenn es einen packt damit kommt man nicht mehr los http://www.reiseknipse.de/search/label/Reisen_Afrika ich möchte keinen Moment missen und habe wenn ich in Deutschland bin schon wieder Sehnsucht. In der Serengeti http://www.demipress.me/search/label/Serengeti%20Tagebuch konnte ich es tagelang nicht begreifen was mit mir passierte …
    Toller Beitrag bitte mehr davon.
    LG sendet Daniela

  • Nico Steve Biko

    Jambo und nuyani wena liebe Afrika-Virus-Infizierte,

    like your style, toll geschrieben! Die Sehnsucht nach „dem unberührten Paradis“ scheint sehr ausgeprägt zu sein in unseren Breitengraden. Einfach aussteigen, zumindest mal für ein paar Wochen jemand anderes zu sein, sich anders fühlen. Afrika bedeutet für mich meine Emotionen zu spüren und sie auch weitesgehend zuzulassen, ohne dabei nur den Hauch eines schlechten Gewissens zu haben. Mal lauter lachen, bewegt sein, offen und direkt. Ist es die Sonne, die Umgebung, das andere Umfeld? Ich frage mich, warum mir und vermutlich vielen anderen, genau diese kleinen Dinge in Deutschland so selbstverständlich abgehen? Ein paar Monate bleibt der positive Flow noch im Körper. Doch dann ertapp ich mich wieder in den alten Denkmustern: Zusammennehmen, vorankommen, Leistung erbringen, Respekt verdienen, anständig aussehen – jeder kennt diesen Druck. Ich sage oft, wenn wir mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten und der gebotenen Sicherheit in unserem Land die Mentalitäten von Menschen auf dem mother continent hätten, dann wäre alles gut. Die Tiere und die Menschen Afrikas faszinieren und setzen verborgene Kräfte frei. Ab und zu hilft mir Musik, Filme oder Trevor Noah, wenn mich die Sehnsucht packt. Um die kalte Konsumgesellschaft, den übertriebenen Individualismus-nach dem jeder nur noch für sich kämpft, den verklemmten deutschen Nationalstolz, die einseitge& eurozentristische Berichterstattungen in den Massenmedien und vieles mehr abzustreifen, hilft allerdings nur der Flug zurück, in den Kontinent, der einen all diese Merkwürdigkeiten erkennen lässt. Du hast vollkommen recht, der Afrika-Virus ist mit Vorsicht zu genießen. Zumindest in unseren Breitengraden habe ich noch kein dauerhaft wirksames Heilmittel gefunden.

  • Lustig; auch wir schwelgen gerade in Erinnerungen an Afrika. Denn auch wenn wir erst einmal in Afrika waren (und das viel zu kurz!) hat uns der Kontinent gepackt! Ich kann also nur voll und ganz zustimmen zur Ansteckungsgefahr mit dem Afrika-Virus.

    http://alongsunnymoon.blogspot.ch/search/label/Tansania

  • Hey sehr sehr geniale Berichte und Eindrücke.

    Leider bin ich auch mit diesem schlimmen Afrikanischen Virus infiziert. Es geht aber auch leider nicht anders :))).

    Wünsche dir weitere tolle Reisen und Eindrücke!

    Viele Grüße

  • Michi

    Hey Eva, super schöner Blog, tolle Artikel – und großer Neid das du deinen Traum lebst. Ich selbst habe den Absprung aus der Unzufriedenheit und dem Hamsterrad noch nicht geschafft.

    Aber eine andere Frage bezüglich deiner Afrika-Liebe: Warst du schon mal in Kamerun? Wie sind deine Erfahrungen?
    Liebe Grüße und weiterhin soooo viel Spaß und Erlebnisse
    Michi

    • Eva

      Hallo Michi, freut mich, dass Du hier hängen geblieben bist. Ganz so ist es nicht, ich bin schon auch noch drin im System. Bin aber tatsächlich ganz zufrieden damit. Ich bin selbständig und nehme mir viel Freiheiten zum Reisen und für mich. Tut mir leid, in Kamerun war ich noch nicht. Ich kann Dir bisher „nur“ Infos zum südlichen und süd-östlichen Affrika geben. Südafrika (dort habe ich auch mal eine Weile gelebt), Namibia, Botswana, Tansania, Zambia, Mozambique, Lesotho, Swasiland und Kenia geben)

  • Genialer Artikel und wahre Worte! Ich habe mich schon bei meinem ersten Afrika-Besuch, in Madagaskar, agesteckt. Damals war ich gerade 10 Jahre alt aber ich war vollkommen fasziniert. Die nächsten Besuche führten dann nach Ostafrika. Vor allem die liebevollen Menschen und die unglaublich vielen Facetten der einzelnen Länder finde ich immer wieder spannend.
    Und die Fotos sind auch nicht schlecht 🙂

    Grüße

  • Pingback: Die beeindruckendste Reise meines Lebens

  • Liege hier am Strand von Sansibar und lese diesen Artikel… Passt irgendwie…

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