Caipirinha an Goas Copacabana

 

Palolem-Beach-Goa

Auch wenn man Goa am allerwenigsten mit brasilianischem Lebensflair in Verbindung bringt, habt ihr schon richtig gelesen, brasilianisches Lebensgefühl ist nämlich genau das, was wir uns in unseren kühnsten Träumereien für unseren vierzigsten Geburtstag ausgemalt haben: lange Sandstrände, tropisches Flair, Capoeira, Caipirinha, knackige Jungs und Mädels zum Gucken und relaxten Spaß…

Meine beste Freundin und liebste Reisebegleiterin und mich trennen nur 6 Tage voneinander. Schon Jahre zuvor haben wir davon gesprochen, wenn es denn so weit ist, unseren großen Tag in Brasilien zu verbringen. Wozu anderen Spaß finanzieren, wenn uns selbst doch so gar nicht nach Feiern zumute ist? Dann schon lieber kurzzeitig allen Adieu sagen und uns am tropischen Strand selbst bemitleiden. Bei genügend Lebensflair ist der Schmerz vielleicht nicht ganz so groß.

Wie aus Rio Goa wurde.

Lange Rede kurzer Sinn, eine von uns beiden hat kalte Füße bekommen und am Ende landen zwei angehende Vierziger nicht in Rio, San Salvador oder Sao Paulo, sondern in Mumbai, das genauso wenig brasilianisches Lebensgefühl vermittelt wie Norwegen – doch selbst dort spielt man zumindest noch respektablen Fußball.

Mumbai-Taj-Mahal-Hotel

2006 habe ich Indien bereist und Goa gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Irgendwie saßen die Vorurteile tief: Goa hat nichts mit Indien zu tun, da hängen nur halbwüchsige Israelis nach der Armee bekifft auf Trance-Partys ab oder esoterisch angehauchte Mittvierziger a la „Eat, Pray, Love“ zu Selbstfindungszwecken. Nein, Goa zu bereisen schien mir wenig erstrebenswert.

Manchmal aber lohnt es sich über seinen Schatten zu springen um eines Besseren belehrt zu werden. All das genannte kann man auf Goa finden, aber eben auch so viel mehr. Goa hält ein hübsches Plätzchen für jeden Geschmack und jede Vorliebe bereit. Für unser Ansinnen hat es sich als ideal erwiesen, hatten wir doch nur knapp 2 Wochen Zeit, da die Ehemänner zu Hause Kinder, Job und den Alltag alleine meistern mussten. Goa verspricht Sonne und Wärme, ist günstig, schnell zu erreichen und leicht zu bereisen.

Happy-People-Goa

Goa-Strand-Mandrem

Inderinnen-Mandrem-Goa

Goa das tolerante Tropenparadies

Goa ist der kleinste indische Bundesstaat, gleichzeitig jedoch der am meisten von Ausländern besuchte. Alle kommen ins „gelobte“ Land, um sich an den insgesamt fast 100 km langen Sandständen von ihren bisherigen Reisestrapazen zu erholen. Doch Goa hat noch mehr zu bieten als nur Sonne, Strand und Meer. Und schon findet sich die erste Parallele zu Brasilien: Aufgrund der Kolonialherrschaft der Portugiesen ist das Bundesland immer noch mediterran geprägt. Weiß gekalkte Kirchen, portugiesisch anmutende Häuserfassaden und westlich gekleidete Frauen bestimmen das für Indien ungewöhnliche Bild. Hinzu kommt die landschaftliche Schönheit mit tiefgrünen Reisfeldern, lieblichen Palmenhainen und dschungelbewachsenen Bergen der West-Ghats. Goa wirkt wie das klassische Tropenparadies. Insgesamt macht Goa im Verhältnis zum restlichen Indien sowieso einen recht wohlhabenden Eindruck. Slums und Bettler auf den Straßen sind eine Seltenheit.

Wie so häufig waren es die Blumenkinder und Individualreisenden, die diese Fleckchen „entdeckten“ und ihm einen skandalträchtigen Ruf als „Hippieparadies“ bescherten. Das wiederum zog indische Touristen an, die die durchgeknallten „­Western People“ betrachten wollten, sowie Pauschaltouristen, die auch mal auf den Putz hauen wollten. Alle Gruppierungen sind immer noch auf Goa anzutreffen und jeder hat ein passendes Plätzchen für sich beansprucht. Jeder kann für sich bleiben und dort nach seiner Fasson glücklich werden. Zweifelsohne hat die touristische Entwicklung Goas negative Begleiterscheinungen wie Preissteigerungen, hässliche touristische Einrichtungen und Hotelneubauten, Infrastrukturprobleme sowie die Umweltschutzproblematik.

Doch noch immer gibt es unzählige einsame Buchten in denen man ungestört seine Ruhe finden kann. Bei aller Unterschiedlichkeit vereint Goa das, was es auch in Zukunft eines der attraktivsten Reiseziele Asiens machen wird: Sonne, Sand, Palmen, köstliches Essen, reichlich zu trinken, günstige Preise und eine gewisse Toleranz und Leichtlebigkeit. Klingt doch irgendwie fast wie Brasilien, oder?

Auch wir haben auf Goa unsere Lieblingsplätzchen gefunden. Wir haben uns vom äußersten Norden (Arambol und Mandrem), über Goas faszinierende historische Altstadt in den Süden bis in das unglaublich entspannte Patnem Beach vorgearbeitet. Auf die, von russischem und englischem geprägten Pauschaltourismus geprägte, Mitte haben wir verzichtet. Wir haben jeden Tempel besichtigt, der uns unter die Finger kam, sind auf tropischen Gewürzplantagen spaziert und durch Reisplantagen im Hinterland geradelt, haben (Achtung Klischee) Yoga unter Palmen praktiziert und an langen Sandstränden ausgiebig im Schatten (ja es war heiß!) gedöst , natürlich auch den berühmt berüchtigten Hippiemarkt in Anjuna ausgiebig „beshoppt“ (kann man machen, muss man aber nicht, wenn man andere indische, vor allem authentische Märkte kennt) und Achtung, es kommt wieder Brasilien ins Spiel, selbst Caipirinha gab es in den einfachsten Strand-Pinten.

Unsere beiden Geburtstage haben wir übrigens stilgerecht dekadent mit indischem Champagner begossen (gar nicht so schlecht und auch nicht so teuer).

In Brasilien hätte es bestimmt nicht schöner sein können!

 Goa-Party

Weitere Fakten über Mumbai und Goa:

  • Von Mumbai kann man günstig mehrmals täglich nach Goa fliegen. Das ist definitiv einer Zugfahrt vorzuziehen, wenn man zeitlich beschränkt ist. Ansonsten sollte man in Indien unbedingt einmal Zugfahren. Das gehört zu einem authentischen Indienerlebnis dazu.
  • Mumbai ist eine Show für sich. Zwei Tage sollte man sich schon Zeit nehmen, der Stadt auf den Zahn zu fühlen. Aber Achtung wenn man nicht gerade ein Rattenloch bevorzugt, muss man löhnen. Wir haben de facto keine einzige akzeptable Billigunterkunft ausfindig machen können.
  • Ein Champagner im Taj Mahal Hotel in Mumbai schmeckt nach vergangenem Kolonialflair und lässt die Zeit vergessen – sowie den Smog, Lärm und Dreck der Stadt.
  • Besucht man Elephanta Island, ist man selbst die größte Attraktion. Wir zieren viele indische Middleclass Touristen Erinnerungsfotos. Und sollte jemand Shantaram gelesen haben, stellt er so wie ich fest, dass die Höhlen wenig mit dem geistigen Bild gemeinsam haben, das man bei Gregory Roberts Erzählungen vor Augen hat.
  • Goa ist nicht nur Strand und Beachlife. Goa Town ist einen Ausflug Wert und auch sonst sollte man einen Blick ins Hinterland wagen.
  • Wer mehr Zeit hat, sollte ins 400 km entfernt Hampi weiterreisen!
  • In Ashvem Beach ist der Hund begraben. Wer absolut seine Ruhe möchte, sollte diesen schönen Ort wählen.
  • Maharadscha und Beduinenfeeling kombiniert das Amarya Shamiyana Hotel. Wir haben uns dort eine Geburtstagsnacht gegönnt und uns unter Honey Mooners trotzdem wohl gefühlt. Das lag aber vielleicht daran, dass das Essen im nebenan gelegene Beach-Restaurant „La Plage“ so unglaublich lecker und der Champagner reichlich floss.
  • Das eigentlich zauberhafte Yab Yum Eco Resort hat uns enttäuscht. Anlass dafür gaben die für Goa unverschämten Preise und der rüde Manager.
  • Wer mehr Trouble möchte wandert am Strand entlang nach Mandrem oder Arambol. Dort wartet Backpacker-Hippie-Flair mit allem Drum und Dran.
  • Im Süden verhält es sich spiegelverkehrt. Palolem kann man aufsuchen, wenn man Beachlife, Jubel, Trouble, Heiterkeit sucht. In Patnem hingegen ist es sehr beschaulich, der Strand aber nicht weniger schön, die Drinks und das essen ähnlich lecker und variationsreich. Allerdings werden die Gehsteige um zehn Uhr abends hochgeklappt. Eine süße Beachhütte direkt am Strand findet sich dort auch für den kleinsten Geldbeutel.

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Bilder: ©Privateigentum

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